Ostdeutsche Ersatzteilsituation

Geschrieben von am 11. Juni 2007 um 21:27

Mal wieder etwas aus dem Usenet. In de.rec.fahrrad wurde gefragt, auf was man alles beim Fahrradkauf achten sollte. Der Fragesteller hatte vor 20 Jahren sein letztes Fahrrad gekauft, und sammelte nun ein paar Tipps. Dabei kam die Diskussion so langsam auf Fahrräder in der ehemaligen DDR. Passend zu einer entsprechenden Frage fiel mir ein Erlebnis aus meiner sehr frühen Jugend ein:

Message-Id: <90897438.iVCJYzKoPg@fuuk-up-ubuntu.dafb-o.de>
From: “Maik Bischoff”
Subject: Re: Fahrrad kaufen;-((
Newsgroups: de.rec.fahrrad
Date: Mon, 11 Jun 2007 19:57:17 +0200

Hannes Kuhnert schrub in de.rec.fahrrad:

>Inwiefern waren Ritzelpakete in der DDR leichter zu haben als Schaltwerke?

Das erklärt sich ganz einfach.

Ich selbst habe vor ewiger Zeit mal während der Schulferien in einem Fahrradteileauslieferungslager gejobt. Da erlebte man so einiges. Im Regal für sportliches Zubehör lagen dann friedlich 5 Ritzelpakete neben 2 Schaltwerken. Dazu dann noch ein oder zwei der heiß begehrten “Rennlenker”.

Was soll ich sagen: Das Material musste für alle zu beliefernden Radläden reichen, also hat jeder ein Teil aus diesem Sammelsurium bekommen. Je nach Ladendichte erreichte man also als potenzieller Käufer 2 bis 3 Geschäfte.
Wenn diese 2 bis 3 Geschäfte dann die waren, die jeweils ein Ritzelpaket bekommen hatten, aber eben kein Schaltwerk (das hatten dann eben Läden in anderen Städten), dann war quasi das Ritzelpaket leichter zu kriegen als das Schaltwerk.

Das alles ist aber auch eher blanke Theorie, denn in der Praxis sind diese doch recht begehrten Teile bereits Millisekunden nach der Lieferung unter dem Ladentisch verdampft. Wenn es überhaupt zur Auslieferung kam, denn wenn im Lager jemand was brauchte, dann stellte man dort eben ganz schnell fest das “das Teil ja völlig defekt und zur Auslieferung ungeeignet” ist. Und so kam es dann direkt ins Recycling. Recycled wurde übrigens ungewöhnlich oft direkt in den Umkleideschränken der Lagermitarbeiter…

Übrigens, die in der DDR üblichen schwarzen 08/15-Griffe (die mit diesen fiesen und unbequemen umlaufenden Ringen) waren so ziemlich das einzige, das es neben den bei Kindern beliebten Putzringen im absoluten Überfluß gab. War halt als Exportartikel absolut ungeeignet. ;-)

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